Minijobs

Minijobs für flexiblen und unbürokratischen Personaleinsatz unerlässlich

Die Zahl der ausschließlich als Minijobberinnen oder -jobber Tätigen lag zwischen 2006 und 2014 nahezu unverändert bei 5 Millionen und ist seit 2015 rückläufig (BA, 2019). Minijobs sind oftmals von den Beschäftigten erwünscht, die nur einen kleinen Hinzuverdienst anstreben. Insgesamt gibt es keine Verdrängungseffekte von Minijobs auf vollsozialversicherungspflichtige Beschäftigung (IAB, 2012).

Minijobs helfen gerade kleinen Unternehmen, z. B. bei langen Öffnungszeiten, besonderer Kundenorientierung und schwankender Nachfrage, Beschäftigte passgenau einzusetzen. Ohne den Vorteil, bei Minijobs Beschäftigten ihren Lohn „brutto für netto“ auszahlen zu können, wäre es zudem vielfach nicht möglich, eine ausreichende Zahl von Beschäftigten zu finden. Hinzu kommt, dass die sozialversicherungsrechtliche Abwicklung eines Minijobs unbürokratisch erfolgt.

Diese Vorteile überwiegen den Nachteil, dass Minijobs für Arbeitgeber teurer sind als vollsozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse: Anstelle des Arbeitgeberbeitrags zur Sozialversicherung von rd. 20 Prozent bezahlt der Arbeitgeber bei Minijobs eine Pauschalabgabe in Höhe von rd. 30 Prozent des Bruttolohns.

Minijobberinnen und -jobber unterliegen demselben arbeitsrechtlichen Schutz wie vollsozialversicherungspflichtig Beschäftigte (Entgeltfortzahlung, Kündigungsschutz, Urlaub etc.). Das Diskriminierungsverbot nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz gewährleistet, dass sie bei allen Arbeitsbedingungen nicht schlechter als vergleichbare vollsozialversicherungspflichtig Beschäftigte behandelt werden dürfen.

Minijobs schaffen Teilhabe am Arbeitsleben

Minijobs ermöglichen Menschen Teilhabe am Erwerbsleben, die keine umfangreiche Erwerbstätigkeit anstreben, sich aber dennoch etwas hinzuverdienen möchten. Dies gilt besonders für Schülerinnen und Schüler, Studierende und Rentnerinnen und Rentner, die allein mehr als 40 % der ausschließlich geringfügig Beschäftigten ausmachen (Statistisches Bundesamt, 2013), aber auch für (Ehe-)Partnerin oder -Partner im Haushalt, die zum Familieneinkommen beitragen, aber nur in geringem Stundenumfang arbeiten möchten. Über 80 Prozent der Minijobberinnen und -jobber sind mit ihrer Arbeitszeit zufrieden und wünschen sich keinen größeren Stundenumfang (IAB, 2016). Nach Angaben der Minijobzentrale lassen sich über 80 Prozent der Minijobberinnen und -jobber bewusst von der Rentenversicherungspflicht befreien. Das zeigt, dass sie mit ihrem Minijob nicht zur Alterssicherung beitragen wollen, sondern sich ein gegenwärtiges Taschengeld dazuverdienen möchten.

Daneben stellen Minijobs auch niederschwellige Beschäftigungsmöglichkeiten dar, die Arbeitslosen die Rückkehr auf den Arbeitsmarkt erleichtern. Insbesondere bei Menschen, die vor ihrem Minijob lange Zeit ohne Beschäftigung waren, erhöht ein Minijob die langfristigen Chancen auf eine vollsozialversicherungspflichtige Beschäftigung (IAB, 2016).

Übergänge in vollsozialversicherungspflichtige Beschäftigung gestalten

Um Minijobberinnen und -jobbern, die sich eine längere Arbeitszeit vorstellen können, den Übergang in eine vollsozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu erleichtern, müssen die Ursachen angegangen werden, die hier bisher gegen eine vollsozialversicherungspflichtige Voll- oder Teilzeitbeschäftigung gesprochen haben: Insbesondere geringfügig und teilzeitbeschäftigte Frauen entscheiden sich oft aus familiären Gründen gegen eine Vollzeit- oder vollzeitnahe Tätigkeit, etwa wegen der Betreuung und Erziehung von Kindern. Deswegen muss der Ausbau von hochwertigen, bedarfsgerechten und bezahlbaren Kinderbetreuungs- und Ganztagsschulangeboten weiter voranschreiten.

Knapp 40 Prozent der Minijobberinnen und -jobber geben an, dass sie aus steuerlichen Gründen lediglich einen Minijob ausüben (IAB, 2015). Ehe- und familienpolitische Leistungen sollten daher so weiterentwickelt werden, dass die finanziellen Anreize für eine Arbeit in nur geringem Umfang beseitigt werden.

Weniger Schwarzarbeit dank Minijobs

Die im Jahr 2003 eingeführten Minijobs leisten einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung der Schwarzarbeit, denn sie schaffen unbürokratische und legale Beschäftigungsmöglichkeiten, die ansonsten teilweise in die Schwarzarbeit fallen würden. Allein in Privathaushalten hat sich die Zahl angemeldeter Minijobberinnen und -jobbern z. B. seit 2004 beinahe verdreifacht (Minijob-Zentrale, 2019). Zwischen 2003 und 2012 hat sich die Schattenwirtschaft in Deutschland rückläufig entwickelt, ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik. Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass eine Abschaffung der Minijobs das Volumen der Schattenwirtschaft um rd. 7 Milliarden Euro erhöhen würde (IAW, 2013).

Minijobs im Nebenerwerb kein Indiz für Erwerbsarmut

Die Zahl der Minijobberinnen und -jobbern im Nebenerwerb nimmt zu, weil der steigende Bedarf an Arbeitskräften mehr attraktive Gelegenheiten zum Nebenerwerb schafft. Insbesondere in Südwestdeutschland, wo nahezu Vollbeschäftigung herrscht und Fachkräfteengpässe auftreten, nehmen Beschäftigte die Gelegenheit zu einem Zusatzverdienst über einen Minijob wahr (BA, 2016). Es gibt keine Hinweise dafür, dass Nebenerwerbstätige hauptsächlich aus der Not heraus einen zusätzlichen Minijob ausüben. Vielmehr haben Beschäftigte mit Nebenerwerb bereits in ihrem Hauptberuf einen höheren durchschnittlichen Stunden- und Monatslohn als Beschäftigte ohne Nebenerwerb (IW Köln, 2015).
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