09.07.2007

Studierende fit für den Job machen: Arbeitsmarktkompetenzen stärken, Persönlichkeiten bilden!

Um erfolgreich im Arbeitsleben zu sein brauchen Studierende ein ganzes Bündel an berufsrelevanten Qualifikationen und Kompetenzen. Dazu gehören fachliche und methodische Kompetenzen ebenso wie personale und soziale. Die Beschäftigungsfähigkeit zu stärken ist ein zentrales Ziel des Bologna-Prozesses. Dies erklärten das Bundesbildungsministerium (BMBF), die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), die Kultusministerkonferenz (KMK) und die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) heute gemeinsam im Rahmen einer Tagung zu diesem Thema in Berlin.

Gute Fachkräfte sind das beste Argument für den Standort Deutschland. Wie die Teilnehmer der von BDA/BDI und BMBF veranstalteten Tagung betonten, ist die Vermittlung der Beschäftigungsfähigkeit an den Hochschulen ein wichtiges Thema für Studierende, deren Karrierechancen davon abhängen und für die Hochschulen, die an ihrer Ausbildungsleistung gemessen werden. Die Vertreter der deutschen Wirtschaft machten gleichzeitig klar, dass sie die Hochschulen bei dieser Aufgabe nach Kräften unterstützen werden, und dass sie neben der Gewinnung von ausländischen Fachkräften in erster Linie auf die Ausbildung im Land setzen.

„Für die Beschäftigungsfähigkeit sind in erster Linie die Hochschulen verantwortlich. Sie müssen dafür sorgen, dass die Absolventen das notwendige Rüstzeug mit auf den Weg bekommen. Die deutsche Wirtschaft unterstützt die Hochschulen dabei schon heute intensiv. Unternehmensvertreter stehen Hochschulen bei der Konzeption neuer Studiengänge mit Rat und Tat zur Seite, sie geben Feedback, welche Kompetenzen in den Unternehmen gebraucht werden. Ebenfalls arbeiten viele Unternehmensvertreter in Akkreditierungsagenturen mit, unterstützen den Aufbau von „Career Services“, übernehmen Lehrtätigkeiten an Hochschulen und bieten den Lehrkräften Einblicke in die Unternehmenspraxis. Dieses Engagement werden die Unternehmen fortsetzen und weiter ausbauen. Wir wünschen uns aber auch, dass die Hochschulen noch offensiver auf die Unternehmen zugehen und ihrerseits signalisieren, wo sie konkrete Hilfestellungen von den Unternehmen erwarten“, erklärten BDA und BDI.

Andreas Storm, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, sagte auf der Tagung: „Ob Deutschland zu den Gewinnern der Globalisierung gehören wird, hängt in entscheidendem Maße von der eingeleiteten Modernisierung unseres Hochschulwesens ab. Ein zentraler Baustein dieser Modernisierung besteht dabei in der stärkeren Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft. Beide Seiten können nur gewinnen, wenn sie sich auf langfristige und berechenbare Partnerschaften einlassen und dauerhafte Strukturen des Wissenstransfers geschaffen werden. Wir brauchen strategische Allianzen zwischen Hochschulen und Unternehmen, von denen nicht nur der Innovationsstandort Deutschland profitiert, sondern in erster Linie die Absolventinnen und Absolventen. „Studied in Germany“, das muss ein Markenzeichen für eine Hochschulausbildung sein, die höchste Qualität für Forschung und Praxis garantiert. Die Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit wurde im Kommuniqué der Bologna-Ministerkonferenz in London als prioritäres Handlungsfeld benannt. Hochschulen, Unternehmen und Politik sind nun gefordert, gemeinsam mit den Studierenden hierfür die besten Bedingungen zu schaffen.“

Im Konzert der Bildungsinstitutionen liefern die Hochschulen eine wissenschaftliche Qualifikation, die methoden- und forschungsorientiert ist, erklärte der Vizepräsident für Studium und Lehre der HRK, Prof. Dr. Helmut Ruppert. Die Arbeitgeber wissen dies zu schätzen - auch über die Bereiche von Forschung und Entwicklung hinaus. Denn mit dieser wissenschaftlichen Qualifikation können die Absolventen Situationen bewältigen und Probleme lösen, für die neue Lösungswege auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse gefunden werden müssen. Der Bologna-Prozess ist für die Hochschulen Anlass, diese Kompetenzen noch zielorientierter zu vermitteln und sie zu flankieren mit Schlüsselkompetenzen. Wir arbeiten mit Arbeitgebern zusammen, um Studiengänge zu entwickeln, zu betreiben und im Rahmen der Akkreditierung ihre Qualität zu überprüfen. Die Hochschulen werden diese Kooperationen ebenso weiter ausbauen, wie die Career Services zur Unterstützung des Berufseinstiegs und die Weiterbildung im Rahmen des wissenschaftlichen Profils der Hochschulen. Das Qualifikationsziel der Beschäftigungsfähigkeit ist also ein zentrales Leitmotiv der Studienreform und der institutionellen Entwicklung in den Hochschulen.

Die Länder – so der Vertreter der KMK, Staatssekretär Dr. Josef Lange, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur - erwarten von den Unternehmen und ihren Verbänden, dass sie die Initiativen der Hochschulen zu neuen, insbesondere dualen Studiengängen aufgreifen und unterstützen. Um künftigen Absolventinnen und Absolventen die Möglichkeiten zu eröffnen, schneller als in traditionellen Studiengängen die Beschäftigungsfähigkeit zu erreichen, sollten Unternehmen in größerem Umfang Praktika anbieten, Berufsperspektiven für Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen eröffnen und insbesondere die von ihnen öffentlich erklärten Beschäftigungsperspektiven nicht nur auf die jeweils aktuelle Wirtschaftslage ausrichten: die Warnungen vor dem Studium ingenieur- und naturwissenschaftlicher Fachrichtungen vor mehr als 10 Jahren wirken sich bis heute noch auf die Studienwahlentscheidung junger Menschen aus. Angesichts des raschen Wandels in der Wissenschaft im globalen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Wettbewerbs kommt es mehr als in der Vergangenheit darauf an, im Studium Grundlagenwissen, Methoden, soziale Kompetenzen und Weiterbildungsfähigkeit zu vermitteln und erwerben. Hochschulen und Unternehmen sollten aus Sicht der Länder sehr viel intensiver auch in der Weiterbildung im Sinne lebenslangens Lernens zusammenarbeiten.

PRESSE - INFORMATION Nr. 59 / 2007, 09.07.2007
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